Projekt Ramsesstadt

Zielsetzung

Der Beginn einer jeden Grabung: Das Abtragen des Ackerbodens
Das Areal Q VIII im Jahr 2016 zu Beginn der Arbeiten. Im Hintergrund ist die moderne Siedliung Qantir sichtbar, die einen Teil der antiken Stadt überdeckt.
Das Grabungsareal Q VIII im Jahr 2016

Das Projekt hat sich zum Ziel gesetzt, nicht nur einen Beitrag zur Erforschung der Stadtstruktur und Siedlungsentwicklung zu leisten, sondern auch die daraus ablesbaren sozialen Korrelationen zu ermitteln. Die Tatsache, dass im Gegensatz zur Ramses-Stadt viele andere altägyptische Städte z. B. durch moderne Überbauung, den jahrhundertelangen Abbau und die Wiederverwertung von Baumaterialien oder landschaftliche Veränderung, wie etwa die Verlagerung der Flussarme, nahezu unerforschbar geworden sind, erhöht die Bedeutung des Projekts. Mit der Ramses-Stadt rückt eine geografische Region Ägyptens in den Fokus, die lange Zeit kaum Beachtung fand, obwohl sie eine wichtige Verbindung zu den Zentren des syropalästinensischen Raums und weiter nach Mesopotamien, der Türkei und Griechenland herstellt. Deshalb ist es ein erklärtes Teilziel des Projekts, sich besonders den Fragen nach überregionalen Zusammenhängen in Hinblick auf kulturellen Austausch, Technologietransfer und Handelsbeziehungen zu widmen.

Mit einer geschätzten Gesamtausdehnung von ca. 15 km² handelt es sich bei der Ramses-Stadt um eine der größten antiken Metropolen des östlichen Mittelmeerraums und des Nahen Ostens. Hier wohnten und arbeiteten nicht nur Ägypter sondern auch zahlreiche Ausländer, die ihre eigene materielle Kultur mitbrachten, durch welche die Stadt zu einem einzigartigen kulturellen Schmelztiegel wurde.

Die Überreste dieser Stadt liegen heute nahezu unsichtbar unter den landwirtschaftlich genutzten Feldern in der Nähe der modernen Ortschaft Qantir, ca. 100 km nördlich von Kairo und 80 km westlich von Ismailia. Lediglich ein überdimensionales Fußpaar, das einst zu einer etwa 10 m hohen Sitzstatue Ramses`II. gehörte, zeugt noch heute von der großartigen Vergangenheit dieses Ortes, denn der größte Teil der aus Stein geschaffenen Bauten und Statuen wurde nach der Aufgabe der Stadt als Residenz von späteren Generationen als bequemer Steinbruch genutzt.